Für die Sicherheit des Hamburger Hafens trafen die Behörden schon immer große Vorsorge. Heute
schützen die modernen Feuerlöschboote der Feuerwehr Hamburg die Hafenanlagen und die hier liegenden
Schiffe. Damals erfüllten, dem Stand der Technik entsprechende, "Schutenspritzen" diese wichtige Aufgabe.
Die ersten Schutenspritzen gab es bereits im 18.Jahrhundert. Es waren hölzerne Boote von ungefähr zehn
Metern Länge, auf denen eine Kolbenpumpe aufgesetzt war. Das Wasser wurde durch den Schiffsboden angesaugt.
Als Wetterschutz für die Pumpe diente eine Art Hütte aus Holz.
Die Brandbekämpfung lag in den Händen der "Wittkittel". Sie sind die Vorläufer der Freiwilligen
Feuerwehren Hamburgs und wurden im Volksmund nach ihren Schutzjacken aus weißen Leinen "Wittkittel" genannt.

Schiffs-Sprütze No 6
War ein Feuer auf einem Schiff oder in einer Lagerhalle ausgebrochen, eilten die Wittkittel herbei und besetzten
die an mehreren Plätzen im Hafen liegenden Schutenspritzen (später auch Schiffsspritzen genannt). Mit
den Kolbenpumpen an Bord, die den Handdruckspritzen an Land entsprachen (Landspritzen), pumpten die Männer
große Wassermengen in das brennende Schiff.
Zur Bedienung jeder Handdruckspritze waren je 16 "Spritzendrücker" eingeteilt. Diese
Brandbekämpfungsmethode muss sehr erfolgreich gewesen sein, denn die Annalen der Stadt enthalten keine
Meldungen über große Hafenbrände. Im Jahre 1728 lagen am Niederbaumhaus (in der Nähe der
heutigen Vorsetzen) zwei Schutenspritzen bereit. 1750 gab es schon sechs, 1820 bereits elf und ab 1832 dreizehn
Schutenspritzen.
Der zur Feuerwehr Hamburg gehörende Verein "Hamburger Feuerwehr-Historiker e.V." hatte es sich zur Aufgabe
gemacht, eine solche Schutenspritze wieder auferstehen zu lassen.
Dazu war es notwendig, einen hölzernen Bootsrumpf nach Originalvorbild bauen zu lassen. Die dazu
gehörige Kolbenpumpe war bereits vorhanden. Von der erforderlichen Gesamtsumme konnte das Meiste durch
Vereinsmittel und Spenden bereits aufgebracht werden. Den noch fehlenden Restbetrag bekam der Verein von Sponsoren
aus der Hafenwirtschaft.
Im Jahr 2002 ließ der Verein eine Schutenspritze nach dem Vorbild
des 19.Jahrhunderts bei einer Schiffswerft in Tönning nachbauen.
Dokumentation über Restaurierung der Handdruckspritze und den Nachbau der Schiffsspritze
Am 05. April war der Nachbau fertig gestellt und an die Feuerwehrhistoriker übergeben.

Nachbau Hamburger Schutenspritze
Nachbau der Schutenspritze 26

Länge: 8,20 m

Breite: 3,10 m

Tiefgang: 0,50 m

Gewicht: 4000 kg

Bauwerft: Friedrich
Dawatz, Tönning in
Nordfriesland

Bauweise: Klinkerbau,
Spanten aus Eiche

Bootskörper aus Iroko
/ Kambala

Bauzeit: 3 Monate

Übergabe: 05. April
2002

Liegeplatz: Hamburg,
Kehrwiederspitze

Besatzung: 16
Spritzendrücker

Verwendung:
Schiffsbrandbekämpfung,
Wasserversorgung für die Landspritzen

Löschvorführung im Alsterfleet
Am Sonntag, dem 05. Mai 2002, jährte sich auch der "Große Hamburger Brand von 1842" der seinerzeit ein
Drittel der Stadt zerstörte, zum 160. mal. Unser Verein hielt diesen Tag für geeignet, mit der
rekonstruierten Schutenspritze an die Öffentlichkeit zu treten, um an die große Brandkatastrophe zu
erinnern. Mit Löschvorführungen auf dem Alsterfleet wurde den Hamburgern gezeigt, wie damals
Brände bekämpft wurden. Die Löschmannschaften, die von unserem Verein gestellt wurden, trugen die
damals üblichen Wittkittel und Schutz-Kopfbedeckungen.

Nachbau Hamburger Schutenspritze
Die Schutenspritze wurde bei vielen öffentlichen Auftritten
in Aktion gezeigt, zum Beispiel beim Hafengeburtstag und
Alstervergnügen. Die Hamburger konnten sich auf diese Weise ein
praktisches Bild machen, wie dazumal Schiffsbrände im Hafen bekämpft
wurden. Ihr letztes öffentliches Auftreten hatte die Schutenspritze
während der Landesgartenschau 2011 in Norderstedt.
Im November 2011 übergab der Verein die Schutenspritze an das
Feuerwehrmuseum Schleswig-Holstein in Norderstedt als Dauerleihgabe.



